Besuch in der Traumaklinik

In den 12-Schritte-Gruppen für stoffliche Süchte gibt es eine Aussage: “Viele von uns landeten im Gefängnis oder suchten Hilfe durch Medizin, Religion und Psychiatrie.” Diese Aussage beschäftigt mich nun, seit dem ich vom Vorgespräch der Traumaklinik zurück bin.

Das Gespräch war im Großen und Ganzen ok. Es war auf Augenhöhe. Doch es gab nicht die Antworten, die ich mir “erhofft” habe.

Vielleicht ist meine Erwartung zu groß, die ich in die professionelle Psychiatrie gesetzt habe. Vielleicht habe ich “denen” zu viel Macht eingeräumt. Macht in der Form, dass ich eigentlich immer wieder denke, dass mir letztendlich dieser Weg am Besten helfen kann, dass es “professionell” sein sollte oder muss, bevor ich es annehmen kann – als Lösung für mich.

Vielleicht ist da ein “Hund begraben“, also etwas, an was ich glaubte, jedoch nur eine halbe Wahrheit ist, bzw. ich dem mehr beigemessen habe, als es Wert war.

Im Gespräch mit der Ärztin ergaben sich Fragen und Situationen, die genau das in Frage stellen, warum ich so sehr an einem Seegen festhalte, den ich ausgerechnet von der professionellen Psychiatrie erwarte. Die Ärztin sagte zu mir:

“(..) das es voraussichtlich darauf hinauslaufen wird, egal welches Mittel ich als das für mich wirkungsvollste halte, dass ich die eigentliche Arbeit an mir so oder so selbst erledigen werde, und das die Ziele, um die es geht – innere Zufriedenheit, inneren Frieden, Akzeptanz, Selbstannahme, Nachsicht, und dergleichen – so oder so selbst erreichen muss.
Es gibt viele Wege, das zu bewerkstelligen, ob ich das auf dem Weg der modernen Psychiatrie erlerne, über Selbsthilfegruppen oder gute – also richtig gute – Freunde. Das ist mir selbst überlassen. Doch wird es keine Wiedergutmachung, keine Genugtuung, kein Ungeschehen geben.
Davon muss ich mich innerlich verabschieden. Die Dinge sind geschehen und haben meine Lebensgeschichte in eine bestimmte Richtung gelenkt. Und das muss ich akzeptieren lernen. So oder so.”

Mir war sehr schnell klar, das die Ärztin mich damit weder beleidigen noch entmutigen wollte.
Im Gegenteil, sie erwähnte absolut anerkennend die lange Zeit, die ich in Selbsthilfegruppen verbracht habe und anhand meiner Art und Weise, die Dinge zu erklären, aus meiner Kindheit zu berichten würde sie das Wachstum ablesen können und es würde nicht im geringsten meinen Leidensdruck verstecken. Den würde sie sehr genau spüren.. in jedem Satz und im Gesichtsausdruck, seit ich vor ihr säße.

Doch sie sieht darin auch eine sehr große Kraft.. und sie stellt sich die Frage, warum ich das nicht anerkennen kann. Was denn noch fehlt, um mein Selbstvertrauen wieder zu aktivieren.

Unabhängig davon, das ich nun viel darüber geschrieben habe, was jemand anderes zu mir gesagt hat, ist das eben ein Teil meiner Geschichte.. nach 40 Jahren auf der Suche in einem 54 Jahre alten Leben.

Das wollte ich mal wieder hier lassen…

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