Intuitivdiagnosen

Intuitivdiagnosen sind üblicherweise im Allgemeinen der erste Ansatz, um mit einem Patienten zu arbeiten. Sei es im Abfragen der Beschwerden oder in der Deutung der Verhaltensweisen zum Beispiel in der Psychiatrie.

Jedoch ist es unabdingbar, diese intuitiven Eindrücke mit Belegen zu festigen, die aus der Fallstudie über die Biographie der Patienten, deren momentane Lebensumstände und eben auch der bereits erarbeiteten Therapieerfolge gegenüberstehen. Erfolgt dies nicht oder nur oberflächlich besteht die Gefahr, den Patienten lösungsverliebt in eine Schublade zu stecken und nach “Schema F” zu behandeln.

Gerade in der Psychiatrie ergeben sich daraus groteske Verfahrensweisen, die zu extrem kontroversen Konflikten führen, die Seitens eines routinierten Therapeuten jegliche Reaktion als Abwehrverhalten und damit als Bestätigung seiner Intuition der Diagnose führen können. Das dies dann sogar zu Retraumatisierungen führen kann ist zwar bewusst, jedoch wird dies durch die möglicherweise dem fehlgeleiteten Therapeuten vorliegenden “Erfolgserlebnisse” geblendet.

Es ist einfach zu behaupten, ein Patient sei nicht therapierbar. Aus diesem Grunde gibt es Supervisionen, welchen normalerweise auch spezielle externe Fachkräfte beiwohnen, um eben genau diesen Umstand zu erörtern. Denn Ziel sollte es sein, mit dem Patienten gerade in der Psychotherapie ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, in dem sich der Betroffene vor allem sicher fühlt! “Sicher” im Sinne davon, das der Therapeut dieses Vertrauen nicht missbraucht und ihn erneut seelisch verletzt.

Sollten dramaturgisch grenzwertige Erlebnisse provoziert werden, welche im Rahmen der Psychotherapie notwendig sein sollten, wäre es eigentlich eine Voraussetzung den Patienten darüber in Kenntnis zu setzen. Sei es im Vorfeld, dass es zu solchen Szenen kommen wird oder spätestens im Nachhinein, wenn der Patient sich klar und deutlich dagegen wehrt oder gar mit der Auflösung des Beziehungsverhältnisses droht.

Es ist natürlich schwer, einem erwachsenen Menschen möglicherweise in eine solche Szenerie zu locken, wenn dieser durch seine mitgebrachten Traumata dysfunktional über eine erhöhte Skepsis verfügt. Doch ist es eben deswegen ausgesprochen wichtig, die Reaktionen immer wieder zu untersuchen und mit der ursprünglichen intuitiven Diagnose und den vorhandenen Daten abzugleichen.

 

 

 

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