Willkommen!

Es brauchte 40 Jahre, um nach den Gräueltaten des 2. Weltkriegs die Psychiatrie wieder halbwegs gesellschaftsfähig zu machen. Selbsthilfezentren arbeiten parallel energisch daran, Betroffenen durch die Identifikation mit Krankheitsbildern bei Mitbürgern aus der Isolation zu helfen.
Derzeit habe ich den Eindruck, das dies innerhalb weniger Jahre wieder zertreten wird. Auf Grund von Logistik und anderen ökonomischen Interessen.

In diesem Sinne folgt auf diesen Seiten eine Analyse des Klinikaufenthalts.

Besuch in der Traumaklinik

In den 12-Schritte-Gruppen für stoffliche Süchte gibt es eine Aussage: “Viele von uns landeten im Gefängnis oder suchten Hilfe durch Medizin, Religion und Psychiatrie.” Diese Aussage beschäftigt mich nun, seit dem ich vom Vorgespräch der Traumaklinik zurück bin.

Das Gespräch war im Großen und Ganzen ok. Es war auf Augenhöhe. Doch es gab nicht die Antworten, die ich mir “erhofft” habe.

Vielleicht ist meine Erwartung zu groß, die ich in die professionelle Psychiatrie gesetzt habe. Vielleicht habe ich “denen” zu viel Macht eingeräumt. Macht in der Form, dass ich eigentlich immer wieder denke, dass mir letztendlich dieser Weg am Besten helfen kann, dass es “professionell” sein sollte oder muss, bevor ich es annehmen kann – als Lösung für mich.

Vielleicht ist da ein “Hund begraben“, also etwas, an was ich glaubte, jedoch nur eine halbe Wahrheit ist, bzw. ich dem mehr beigemessen habe, als es Wert war.

Im Gespräch mit der Ärztin ergaben sich Fragen und Situationen, die genau das in Frage stellen, warum ich so sehr an einem Seegen festhalte, den ich ausgerechnet von der professionellen Psychiatrie erwarte. Die Ärztin sagte zu mir:

“(..) das es voraussichtlich darauf hinauslaufen wird, egal welches Mittel ich als das für mich wirkungsvollste halte, dass ich die eigentliche Arbeit an mir so oder so selbst erledigen werde, und das die Ziele, um die es geht – innere Zufriedenheit, inneren Frieden, Akzeptanz, Selbstannahme, Nachsicht, und dergleichen – so oder so selbst erreichen muss.
Es gibt viele Wege, das zu bewerkstelligen, ob ich das auf dem Weg der modernen Psychiatrie erlerne, über Selbsthilfegruppen oder gute – also richtig gute – Freunde. Das ist mir selbst überlassen. Doch wird es keine Wiedergutmachung, keine Genugtuung, kein Ungeschehen geben.
Davon muss ich mich innerlich verabschieden. Die Dinge sind geschehen und haben meine Lebensgeschichte in eine bestimmte Richtung gelenkt. Und das muss ich akzeptieren lernen. So oder so.”

Mir war sehr schnell klar, das die Ärztin mich damit weder beleidigen noch entmutigen wollte.
Im Gegenteil, sie erwähnte absolut anerkennend die lange Zeit, die ich in Selbsthilfegruppen verbracht habe und anhand meiner Art und Weise, die Dinge zu erklären, aus meiner Kindheit zu berichten würde sie das Wachstum ablesen können und es würde nicht im geringsten meinen Leidensdruck verstecken. Den würde sie sehr genau spüren.. in jedem Satz und im Gesichtsausdruck, seit ich vor ihr säße.

Doch sie sieht darin auch eine sehr große Kraft.. und sie stellt sich die Frage, warum ich das nicht anerkennen kann. Was denn noch fehlt, um mein Selbstvertrauen wieder zu aktivieren.

Unabhängig davon, das ich nun viel darüber geschrieben habe, was jemand anderes zu mir gesagt hat, ist das eben ein Teil meiner Geschichte.. nach 40 Jahren auf der Suche in einem 54 Jahre alten Leben.

Das wollte ich mal wieder hier lassen…

** Triggerwarnung ** Vermutungen (Kindheit)

Aus irgendeinem Grunde sind mir nach dem letzten Termin mit meiner Traumatherapeutin Bilder und Szenen aus meiner Kindheit in den Kopf gekommen und lösten Fragen aus.

Bisher war ich fest davon überzeugt, dass mein leiblicher Vater der Überltäter in meiner Kindheit war. Mein Stiefvater war eigentlich eine Nebenrolle. Nun scheint sich das Bild zu wenden und die beiden Männer vollziehen in Gedanken einen Rollentausch.

Ich habe in meiner Kindheit bis zum Auszug aus dem Haus meines Stiefvaters unter massiv körperlicher Gewalt gelitten. Es gab praktisch nichts, was ich “richtig” gemacht habe. Es gab nur Dinge, die ich “falsch” gemacht habe und das wurde entsprechend mit Strafen honoriert. Teilweise täglich erhielt ich meinen “Hintern-voll” und ich bemerkte damals schon, wie sehr mich das tatsächlich mitnimmt.

Mein Stiefvater besaß damals so ein VW-Käfer Cabrio. Und der Auspuff von diesem Auto hatte einen ganz bestimmten Ton.. er “flötete”. Wenn er von seinem Schichtdienst als Busfahrer nach Hause kam, fuhr er immer einen ganz bestimmten Weg. Und wenn ich diesen Sound vom Auspuff zwischen den Häuserschluchten hörte, begann ich zu zittern und prüfte in Bruchteilen von Sekunden, ob ich heute irgendetwas gemacht habe, was seinen Zorn hervorbringen konnte.
Wenn es irgend etwas gab (wie meistens) – Glas nicht in der Spüle, Schuhe nicht abgetreten, irgendwas nicht zurück gelegt – versteckte ich mich auf dem Dachboden und wartete dort, bis meine Mutter nach Hause kam.

Manchmal konnte ich nicht im Versteck bleiben, weil ich aufs Klo musste oder weil mir die Beine eingeschlafen sind oder sonstige Gründe. Also ging ich dann runter (wir wohnten in einem älteren Eigentumshaus) und versuchte zu erahnen, ob er diesen oder jenen Fehler bemerkt hätte und zur Not würde ich es dann noch schnell beseitigen.

Doch manchmal lief ich ihm dann direkt in die Arme und dann nahm meine Vorahnung Gestalt an: er hat es bemerkt, er hat sich drüber aufgeregt, er stellte mir komische Fragen, er kochte sich hoch und dann gabs entweder “Watttsch!” gleich ‘ne Backpfeife, die ich selten habe kommen sehen oder er kochte noch höher, grff mich fest, dass ich mich nicht befreien konnte, zog mir die Hosen runter und versohlte mir den Hintern.

Ich hoffte irgendwie immer, das die Geschichten vom Schulhof irgendwann auch bei mir funktionierten, das man das irgendwann nicht mehr spürt. Doch bei mir blieb das aus. Jeder verdammte Schlag tat mir weh. Jedesmal.. und aus heutiger Sicht verletzte mich auch dieses Ausgeliefert sein. Und das dies wahrscheinlich auch nie aufhören wird.

Letztlich, was mich heute mit 54 Jahren immer noch so fertig macht ist, ich fühle mich immer noch innerlich gebrochen. Kleine Entscheidungen kann ich ganz gut treffen, doch je größer und umfangreicher sie werden, desto unsicherer bin ich. Das geht soweit, dass ich – obwohl gefühlte 1.000 Leute den Erfolg eines Projektes diagnostizieren, ich mich dennoch nicht traue, es umzusetzen.

Ich suche immer noch nach einem Seegen für große Entscheidungen und habe immer noch Angst, mich falsch zu entscheiden. Es ist verflixt und für mich nicht nachvollziehbar, denn selbst die plausibelsten Beweise durch meine beinahe schon forensische Vorgehensweise (an “ALLES” denken), genügen nicht, eine selbstbewusste und eigenständige Entscheidung zu treffen.

Wahrscheinlich sind es irgendwie beide. Also mein Vater, der dieses “Regeln aus dem Hut zaubern” als Vorarbeit leistete, auch eine harte Hand und kurze Lunte hatte. Dem gegenüber dann mein Stiefvater, der damals keine Kinder hatte, mit mir eine fremde Brut von 7 Jahren vorgesetzt bekam und bis zu meinem 15. Lebensjahr sich nicht eine Sekunde in Frage stellte, ob er den Bogen nicht überspannt, weil er auch viel Prügel bekam und als eigene Abhärtung mit 17 auf See ging.

“Nur für Heute” – werde ich versuchen, diese Bilder, diese Szenen einfach nur zu betrachten.
Nur für heute, kann ich sehen, das ich es überlebt habe.
Nur für heute will ich versuchen mich daran zu erinnern, dass dies alles im Gestern ist. Es ist nicht im Heute. Es kann mir heute nichts anhaben.

 

#DepriBattle – Who did won?

Heute war mal wieder so ein ganz klassischer WTF-Day!

Seit zwei Tagen reißen mir meine suizidalen Schübe den Boden unter den Füßen weg. Es ist schwer zu beschreiben, für Menschen, die das nicht kennen. Es muss sich für Außenstehende wir eine “irre Geschichte” anhören… sei es drum.

Vorher noch was zu mir:

Ich stehe nicht mehr im Arbeitsprozess. Bin über 50, habe meine Finanzen bzw. Schulden “im Griff”, bekomme Grundsicherung und komme damit klar. Habe therapeutisch “artig” kurz-, mittel- und langfristige Ziele, konstruktive und schöpferische Projekte am Start, habe wenig körperliche Handicaps (COPD, Herzrhythmusprobs, Athrose) und sehe durchschnittlich “gut” aus. Ich lebe seit 6 Jahren in einer Partnerschaft mit einem Menschen der ein hohes Verständnis zu meiner Situation hat. Ich habe Hobbys wie Elektronik, Programmieren und Schreiben. Also nichts, was auf den ersten Blick in irgendeiner Weise auf ein “kaputtes” Leben schließen könnte.

Bin jedoch diagnostiziert mit reziudiven schweren depressiven Episoden neben chronischen Depressionen, latente Suizidalität, verschiedene Persönlichkeitsstörungen, PTBS and some more…
Am meisten machen mir die suizidalen Schübe zu schaffen, die aus heiterem Himmel den schönsten blauen Himmel in Schwarz verwandeln, das Gefühl alles hinwerfen zu wollen, nichts wird mir helfen egal wie ich mich abstrample und von einem Leben in einem imaginären “Normalzustand” werde ich nur träumen können.

Vorwort

Ich kam vor drei Wochen aus der Klinik. Eine Notfallklinik für psychiatrische Störungen im Einzugsgebiet. Die dortige Behandlung war entgegen meiner Erfahrungen, die ich dort schon mal gemacht habe eher schrecklich. Ich fühlte mich falsch diagnostiziert, man laß zwischen den Zeilen, war an meinen Erklärungen – klar und sachlich – weder interessiert noch nahm man diese irgendwie ernst. Ich erzählte von jahrelanger therapeutischer Erfahrung, von den daraus resultierenden Erkenntnissen, meiner fortschreitenden Arbeit und auch von Erfolgen. Natürlich auch von schlechten Erlebnissen.
Meine Hoffnung war, das “wir” direkt dort weiter arbeiten könnten, da mein Leidensdruck hoch genug ist, um keine weitere Zeit zu verlieren.

Das Aufnahmegespräch war noch sehr optimistisch und ich dachte durchaus daran, mir mal wieder eine Chance zu geben, obgleich ich mit einem Minimalpegel an Selbstwert, Hoffnung, Lebensmut, -freude und -lust dort aufgeschlagen bin.

Jedoch war das zweite Gespräch mit der Stationsärztin dann schon sehr ernüchternd. Intuitive Diagnose, fern ab von dem, was mein Anamnesebogen, meine Biographie, meine Selbstbeschreibung preisgaben wurde der Fokus auf irgendwelche kognitiven Strukturdefizite gelenkt, welche “mit Sicherheit” Auslöser für meine Depressionen seien.

Das ich an sich eher Traumaarbeit machen wollte wurde mir gänzlich abgesprochen und mit Parabel-Bespielen, welche eine enormen psychischen Druck verursachen würde abgeraten. “Dazu sind Sie doch gar nicht stabil genug!”.

Wie dem auch sei, nach vier Wochen mit künstlich erzeugten Konflikten, deren Klärung an der Schwelle scheiterten, an denen das Pflegepersonal bzw. die Ärzte einen Fehler bzw. das künstlich provozierte Potential zugeben mussten, war mir klar, “hier ist für mich nichts zu holen”.

The Race

Nun bin ich seit 2 Tagen immer schlechter drauf. Die suizidalen Schübe kommen in immer kürzeren Abständen. Ich habe niemanden, mit dem ich darüber reden kann, denn die Menschen in meinem sozialen Umfeld werden schlicht verrückt vor Sorge und im professionellen Bereich steht ganz klar im Vordergrund, das ich “freiwillig” meine Grundrechte abgeben muss und mich in die geschlossene Abteilung einweisen lassen muss, wo mir dann wieder mal nichts weiter erzählt wird als “Du, Du! Sowas macht man nicht!”.

Es gibt vielleicht ein paar neue Medikamente, aber letztendlich werde ich dazu eingeladen, das zu erzählen, was die hören wollen, um dann 1 Stunde am Tag mal Sonnenlicht sehen zu dürfen und irgendwann da wieder heraus zu kommen.

Mein eindringlicher Wunsch nach einer zeitnahen Traumatherapie, möglichst stationär ist leider ohne beinahe 12 Monate Wartezeit nix zu machen. Abgesehen von dem Reha-Antrag, der in der ersten Instanz immer abgelehnt wird. Dies verzögert das Ganze ebenfalls nochmal um gut 2 Monate.

Mich ärgert es, nein, es enttäuscht mich und macht mich wütend, das ich im Grunde inzwischen eine latente, also chronische Suizidalität habe, die unter juristischer Sicht mir meine Grundrechte in Gefahr bringt. Und dies habe ich im Grunde jenen zu verdanken, die immer und immer wieder auf “überbrücken” setzen und tatsächlich der Überzeugung sind, “das geht mit der Zeit von alleine weg!”

Ich bin sauer, das die Selbsteinschätzung von Psychiatriepatienten derart unwichtig ist, derart fehlgedeutet wird, fehlinterpretiert wird, das ich mich Frage, was das für ein blödes Spielchen ist.

Ich habe bisher alle Therapien, alle empfohlenen Maßnahmen mitgemacht, selbst brutalste Verhaltenstherapien habe ich bis zum Abschluß durchgezogen (bis auf jene, die mich postwendend zurück in die Klinik brachten) und war der Meinung, damit meinen guten Willen und meine absolute Bereitschaft zu beweisen.

Doch ich sehe, das ist vollkommen wurscht. Der durchschnittliche Therapeut und der durchschnittliche Ärzt hat seine Bilder im Kopf und diagnostiziert nach diesen Bildern, froh und lustig und ist sich nicht im geringsten seiner Verantwortung bewusst für das Unheil, was er mit dieser unsensiblen, teilweise gar fahrlässigen Art und Weise anrichtet!

Leute, ich bin echt bedient. Und mit dem neuen #PsychKHG hab ich dann komplett den Kaffee auf, weil ich keine Lust habe, nun in so einer bekloppten Quasi-Straftäter/Gefährderdatei zu landen.. weil mir einfach nicht die Therapie zu Teil wird, die ich eigentlich benötige.

Versucht mal jemand in der Psychiatrie einen Behandlungsfehler nachzuweisen…  das kann man getrost vergessen, denn es ist alles (ALLES) Interpretationssache!

Nachtrag:

Ich war dann heute bei meinem  behandelnden Neurologen und erzählte ihm davon. Es waren erstaunlich angenehme 15 Minuten, da er mir zu Verstehen gab, es nachvollziehen zu können. Das schöne ist, das er meinem Wunsch, nicht in die Notfallklinik im Einzugsbereich gehen zu wollen mit vollstem Verständnis entgegen kam. Das nicht so tolle ist, das ich nun Tabletten bekomme, um die ich mein Leben lang dachte herum zukommen..  Benzos!

Mein Wunsch war die ganze Zeit, es verhaltenstherapeutisch, mit Disziplin, mit Selbsthilfegruppen, mit Geduld, Bereitschaft, mit Selbsterkenntnis, Gnade mir selbst gegenüber und Zuversicht und Hoffnung hinzubekommen. Mir ist seit jahrzehnten klar, das eine rosarote-Brillen-Pille kein geeignetes Therapieergebnis darstellt!
Und nun muss ich solche Teile nehmen, um von diesen Peaks runter gedämpft zu werden.

Nunja..  das #DepriBattle steht unentschieden:
Depri hat gut vorgelegt mit 30 Punkten
Leben hat dadurch, das ich mir einen Notfalltermin beim Neurologen besorgt habe und auch umgehend wahrgenommen habe mit 30 Punkten dagegen gehalten.

Man..  so einen Kack wünscht man seinem ärgsten Feind nicht.

Heißer Stuhl, Mobbing inklusive

Heißer Stuhl ist ein phychotherapeutisches Werkzeug, um den Klienten mit einer bestimmten Situationen oder Verhaltensweise zu konfrontieren. Es wird unter anderem dort eingesetzt, wo sich der Klient beispielsweise einer Konfrontation entzieht oder einer Selbstreflexion verweigert.
Die “Spielregeln” sind in aller Regel recht einfach:

  • Position des Klienten in der Mitte des Teilnehmerkreises
  • “Redeverbot” bis zum Abschluss der Konfrontationsrunde
  • Teilnehmer konfrontieren der Reihe nach (selten auch gleichzeitig) die Zielperson mit eigenen Eindrücken, Ansichten, Konsequenzen seines Verhaltens in Bezug auf eine bestimmte Thematik

Das Werkzeug wird heute immer seltener eingesetzt, da die (Ein-)Wirkung auf den Klienten sehr massiv ist. Ebenso besteht die Gefahr, dass wenn die Moderation durch Therapeuten unsensibel oder der Situation nicht angemessen vorsichtig ist, die teilnehmenden Klienten über das Ziel hinausschießen und letztlich die Zielperson triggern und statt zur Einsicht nur zu Überreaktionen bringen, die im gleichen Maß wie das Einwirken dann herausplatzen. Diese können dann zu heftigen Reaktionen wie Wut, physischer Aggression und Gewaltausbrüchen führen oder eben auch zu Panikattacken.

In meinem Falle gab es unter den teilnehmenden Klienten Zwei, die diese Situation ausnutzten, um ihr Mobbing fortzusetzen um es beim “heißen Stuhl” auf die Spitze zu treiben, mit konstruierten Empörungen, diffusen Beleidigungen und nicht konkretisierten Andeutungen.

Situationsbeschreibung: Ausgehend einer wieder einmal isolierten Lebenssituation, also totaler Rückzug, einer extrem depressiven Episode mit fehlendem Selbstwert, Motivation und Lebenssinn entschloss ich mich aus meiner Wohnung in eine betreute WG zu ziehen.

Damals war ich Ende 20. Eine Wohngemeinschaft, die meinen speziellen therapeutischen Rahmen bedienen könnte gab es leider nicht. Damals in Berlin gab es solche Einrichtungen entweder im Suchtbereich oder für Klienten mit mehr als einer seelischen Behinderung, also auch körperlich, kognitiv und psychiatrisch. Ich hätte alternativ sabbern, eine Psychose oder sonstige Verwirrtheitssymptome zeigen müssen.

Da mein Leidensdruck immer größer wurde, entschloss ich mich den nächstbesten freien Platz zu ergattern, da auch die Wartezeiten mit 4-10 Monaten beinahe unerreichbar schienen. Die Wahl fiel auf eine Suchttherapeutische WG mit Schwerpunkt Alkoholabhängigkeit, denn meine bereits überwundene schwere Drogenabhängigkeit wurde mir von der Suchtberatung als Eintrittskarte empfohlen, um als Notfall die Warteliste überspringen zu können. Das diese Empfehlung im Endeffekt riskant war, steht auf einem anderen Blatt, bzw. sollte in einem eigener Beitrag erörtert werden.

Letztlich – aus heutiger Sicht! – war die Einrichtung mit meiner latenten Suizidalität und meinen chronischen Depressionen überfordert, die Notwendigkeit der Traumaarbeit wurde weder erkannt noch wurde danach gesucht. Damals war mir eben auch noch nicht klar, das der Knackpunkt meiner Depressionen in den erlebten schweren Kindheitserlebnissen lagen. Ich selber konnte es auch nicht mehr hören, zudem war es als heranwachsender Mann mehr als Scham besetzt, permanent mit den Trauma-Echos konfrontiert zu sein, wenn ich im alltäglichen Leben mit den Konsequenzen meiner Überreaktionen und impulsiven Verhaltensweisen zu tun bekam.

Zurück zum “heißen Stuhl”: Die therapeutische Leitung der WG versuchte (möglicherweise wirklich auf ernsthafter Basis) meine Lebensunlust in den Griff zu bekommen. Ich selbst bemühte mich ebenso redlich und aufrichtig. Zwischen den latenten Tiefpunkten, also ausgedehnte Talsohlen gab es durchaus auch gute Phasen, in denen ich meine Talente, meine Fähigkeiten und meinen ausgeprägten Gemeinschaftssinn unter Beweis stellen konnte. Das diese jedoch nicht lange anhielten, wurde zu einer Last der Gruppe.

Die zwei oben genannten Mitbewohner lebten schon einige Jahre in der WG und haben sich auch ihre Freiräume geschaffen. Einige waren für mich eben nicht akzeptabel, da ich von Hause aus eher regelkonform lebe. Dies war den Beiden ein Dorn im Auge. Ebenso – aus heutiger Sicht! – hatten beide ausgeprägte narzistische Störungen, beinahe schon kultivierte Narzisten. Und die von Beiden oftmals offen gezeigte Ablehnung fand dann beim “heißen Stuhl” die Premiere.

Das Endergebnis dieser therapeutischen Maßnahme war ein Nervenzusammenbruch, der am gleichen Abend mit der Einweisung in die geschlossene Psychiatrie endete. Als ich nach drei Tagen wieder auf die “Offene” gelegt wurde kam die Leitung der WG (ein Ehepaar, die als Quereinsteiger in Suchttherapeutischer Arbeit die Wohngemeinschaft gründeten) zu Besuch und gaben mir meine Wahrnehmung zurück. Sie entschuldigten sich aufrichtig, nachdem sie die Hintergrundgeschichte von mir hörten und eben auch plausibel nachvollziehen konnte, dass ich im extremen Konflikt stand, das Mobbing der beiden Klienten nicht zu benennen, da ich keine Petze sein wollte und schon gar nicht in dem Moment, wo die beiden mich beim “heißen Stuhl” auseinander genommen haben. Das Ehepaar hat mir versprochen, dieses Werkzeug nie wieder anzuwenden, da sie eingesehen haben den Teilnehmern nur bis vor den Kopf gucken zu können und unreflektierte, “noch” kranke Narzisten eben die besten Schauspieler sind.
Soweit ich es verfolgen konnte, ich hatte ja auch “Freundschaften” geschlossen, hatten die Eheleute das tatsächlich auch nie wieder getan.

Zusammenfassend unter dem Strich ist dies wieder einmal eine der Retraumatisierungen, die ich durch diejenigen erfahren habe, die es als Bedingung stellen “vertrauen zu müssen“, da sonst die therapeutische Arbeit nicht funktionieren könnte.

Lösungsverliebtheit – “Gequirlte Scheiße”

Nachdem ich in der “langen” Liste der katastrophalen Einzelgesprächssitzungen mit meiner therapeutisch arbeitenden Ärztin ein wirklich “Gutes” erlebt hatte, war das Abschlussgespräch wieder unter aller Sa*(ndale)!

Ich verstehe sehr gut, dass es Fragetechniken gibt, die möglicherweise zur Pflichtkür zählen, gerade in Bezug darauf um eine eindeutige Positionierung zu ermöglichen, ob ein Patient zum Beispiel suizidgefährdet ist oder nicht, also ob er “guten Gewissens” bzw. wenigstens rechtlich gesehen bedenkenlos entlassen werden kann.

Jedoch kommt mir die Wut durch die Schädeldecke geflogen, wenn ein Gespräch so aufgebaut ist, dass die Zielsetzung vollkommen schleierhaft ist, nach der dritten Frage dann eigentlich doch klar ist, worauf das Gegenüber seine Technik begründet, man Einwände gibt, das dies doch alles sehr kompliziert sei und es doch einfacher formuliert auch verständlicher ist und zu weniger Missverständnissen führe, dies vehement verneint wird, ich als Patient mich nur noch verunsichert fühle, an meiner Wahrnehmung zweifle und am Ende einer laaaaangen Debatte um diese verquirlte Scheiße man dann doch richtig liegt.

Dieses Erlebnis wiederholte sich in diesem Gespräch bestimmt drei mal und mein anfänglich schlechtes Gewissen, mich zu früh um meine Entlassung gekümmert zu haben wich der Erlösung, genau das richtige getan zu haben.

Meine Fresse! Da diesmal mein Betreuer mit dabei war, konnte er nun bildhaft Zeuge werden, was ich an dem Tag durchstehen musste, als es um die Belastungserbrobung ging. Es ist, als würden “die” einem gar nicht zuhören. Jeder Satz, jedes Wort was ins Muster – also in die lösungsverliebte Idee des Therapeuten passt wirkt wie ein Brocken Fleisch vor einem verhungernden Wolf. Alles was nicht dort hinein passt ist “Abwehr” und wird als Bestätigung interpretiert, der Therapeut sei auf dem richtigen Weg.

Also eigentlich hätte ich in diesem Gespräch auch meine Jeans flicken können und den einfach machen lassen, das Endergebnis wäre so ziemlich identisch. Möglicherweise würde er die mangelnde Mitarbeit kritisieren.
Naja..  #SoWhat!?!

Meine Heimfahrt war überschattet von dieser unbändigen Wut, einer enormen Ohnmacht, das ich im “professionell therapeutischen Bereich” keinerlei Hilfe zu erwarten habe. Meine Gedanken kreisten immer wieder darum, was wohl andere machen, die sich nicht so ausdrücken können oder jene, die wirklich aus der Haut fahren.

Letztlich, etwas Gutes hatte das Ganze. Zum einen war mein Betreuer nun bestens überzeugt worden, was ich da so erlebe. Zum anderen war ich selbst dann doch ein wenig stolz darauf, dass meine Impulsivität, die normalerweise dazu führt, das ich brüllend, Türen schlagend den Raum verlasse, wiederholt(!) nicht eingetreten ist und das sich ein paar weitere Erkenntnisse in Bezug auf meine Idee mit der Traumatherapie einstellten, wie zum Beispiel meine “Naivität” des blinden, bedingungslosen Vertrauens gegenüber eines Therapeuten mich nicht fallen zu lassen in meiner Vorstellung beinahe erpresserische Züge annehmen.
Kann man jetzt anders sehen, also dass ich von einer professionellen Fachkraft das erwarten dürfte – für mich vielleicht doch eher “Erwartungen sind vorweg genommene Enttäuschungen”.

In diesem Sinne – Danke fürs lesen!

PS.: Nachtrag: Normalerweise nehme ich den Kurzentlassungsbericht eher zur Kenntnis. Diesmal jedoch grenzt er an eine ausgesprochene Frechheit!
1. Der Arzt, der diesen Entlassungsbericht unterschrieb, war nicht mein Bezugstherapeut, noch der mir zugewiesener Arzt.
2. Aufgrund einer einzigen gemeinsamen Situation, welche ich wiederholt als unzureichend vorbereitet dargelegt habe, erteilt er mir die Diagnose von “zeigte ausgeprägtes Vermeidungsverhalten bezüglich diverser angstbesetzter Situationen” – da geht mir jetzt echt der Hut hoch!
Richtig ist, das ich mich sämtlichen Situationen, die provoziert wurden und absolut überflüssig waren, gestellt habe. Richtig ist, das ich trotz massiver Verunsicherung mich den Auseinandersetzungen sachlich gestellt habe.
Mannoman…  ich befürchte, diesen Entlassungsbericht muss ich nun umständlich mit einer weiteren Meinung entkräften, denn demnach bin ich schlicht ein Verweigerer. Alle meine Befürchtungen haben sich bewahrheitet!

Virtuelle Währung – Vertrauen

Vertrauen in der Psychotherapie kann man durchaus als Währung bezeichnen. Zumindest tue ich das. Denn ohne Vertrauen ist ein Arbeiten an empfindlichen Punkten gar nicht möglich.

Wenn die Seele wund gescheuert ist, genügt es vollkommen nur über Sand zu sprechen um für den Leidenden ein fürchterliches Chaos auszulösen. Wenn der Therapeut dies provoziert jedoch nicht abfangen kann, begeben sich beide auf gefährliches Terrain!

Ich für meinen Teil kann getrost auf zusammengezählt 50 Monate Erfahrung in stationärer Therapie, 30 Jahre Selbsthilfegruppen und beinahe ebenso lange Begleitung durch Ärzte in der Neurologie und Psychiatrie zurückgreifen. Ich kann ebenso auf reichlich aufgearbeitete Themen zurückblicken, auf eine überwundene schwere Drogen- und Alkoholabhängigkeit und führe heute ein recht selbst reflektiertes und bewusstes Leben, vor allem durch, wegen und trotz meiner chronischen schweren Depression. Diese Krankheit ist mein täglicher Begleiter. Mal gehts ganz gut, mal ist sie gar nicht zu spüren und manchmal reißt sie mir den Boden unter den Füßen weg und ich sitze wieder in der Kiste der Depression.

Die Depression ist wie in einer dunklen Kiste zu sitzen, bei der die Anleitung zum rausklettern draußen drann steht.

Letztlich gehöre ich zu den wenigen, die durch ihr Fachwissen um die Depression, um therapeutische Konzepte und auch deren Ansätze eine gewisse Einschätzung haben und kann meine Wünsche halbwegs gut formulieren. Ebenso weiß ich in Behandlungen, was ich definitiv nicht mehr will.

Um nun auf den Punkt des Vertrauens zurück zukommen: Wenn ein therapeutisch arbeitender Arzt oder ein Therapeut nicht in der Lage ist mir zu vertrauen, das ich dies oder jenes bereits aufgearbeitet habe und gerne das und jenes jetzt in Angriff nehmen will, was soll mich dann dazu bewegen, jetzt (mal wieder) dieser “Fachkraft” zu vertrauen?

Ich habe in meinem Leben bereits psychotherapeutische Steinzeitmethoden überlebt, also Arbeitsweisen, die heute nicht mal mehr mit der Kneifzange angefasst werden, bzw. an Körperverletzung grenzen – beispielsweise “heißer Stuhl” ohne sich über die Motive der teilnehmenden Klienten bewusst zu sein und damit ein erlaubtes Mobbing vollzogen haben.

Ich habe immer wieder vertraut, immer wieder einen neuen Vorschuß gegeben doch irgendwann grenzt das an stumpfe Naivität. Heute nehme ich mir immer häufiger das Recht raus, die jeweilige Bezugsperson nach ihrem favorisierten Konzept zu fragen und im Zweifelsfalle abzulehnen.

Zum Beispiel bin ich kein Freund der Schematherapie. Das Konzept ist mir schlicht zu einfach. Es grenzt persönliche und individuelle Traumata eher aus und man spricht dort gerne von dysfunktionalen Werkzeugen und zieht ständig Parallelen zum Borderlinesyndrom.

Die Beachtung der Traumata klingt nach einem Übel, das man notgedrungen ertragen muss um mit dem Patienten zu arbeiten und nicht nach einer Hilfestellung, das Trauma aufzuarbeiten und zukünftig Überreaktionen bei Trauma-Echos zu vermeiden. Eher werden die Überreaktionen als Ausweichreaktion missdeutet, die man dem Patienten austreiben muss.

Mir ist schon länger bewusst, dass viele offensichtlichen Probleme durch Depressionen oftmals nur sichtbar gewordene Symptome sind, wie Panikattacken, Ohnmachtsanfälle, Isolation, selbstverletzendes Verhalten, Substanzmissbrauch und -abhängigkeit, Wutausbrüche und Aggressionen, Verwirrungszustände und Wahrnehmungsstörungen. Und das diese Symptome unbehandelt zu weiteren schweren Krankheitsbildern erwachsen können.

Für mich ist es wichtig, die Ursachen zu ergründen, den Knoten in der Leitung zu lokalisieren und neben dem Aufarbeiten der Verhaltensauffälligkeiten gleichzeitig auch den ursprünglichen Auslösern genug Raum zu geben um zu heilen.

Und das ist für mich nicht mit den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen in Übereinstimmung zu bringen, bzw. ist es für mich befremdlich, dass auf den Einsatz der Brechstange ins scheinbar emotionale Korsett immer noch zurückgegriffen wird – nicht im Einzelfall sondern eben pauschal!
Daraus ergibt sich dann nämlich, dass Patienten mit beachtlichen früheren Behandlungserfolgen oder durch Genesung in Eigeninitiative auf das Niveau des themenfremden “Beginners” herunter gebrochen werden. Dieses permanente (gefühlt) überall anzutreffende Zurechtstutzen auf einen kalkulierbaren Kostenfaktor und kontrollierbaren Patienten verhindert im Grunde eine Ausheilung und langfristige Beschwerdefreiheit. Es produziert Drehtüreffekte in der Psychiatrie – auf lange Sicht unnötige Kosten und vor allem auch unnötiges Leiden.

Wenn eine therapeutische Bezugsperson meine Wünsche nicht respektiert, mir nicht Glauben machen kann mich aufzufangen, wenn ich im Rahmen einer Aufgabe die Fassung verliere, mir auch noch mitteilt “Psychotherapie sei Körperverletzung“, dann fallen für mich jegliche Vorhänge mit diesem Menschen zusammen an meinen intimsten Themen arbeiten zu wollen.

Wenn obendrein diese Reaktion auch noch als Therapieunwilligkeit interpretiert wird, zeigt es für mich eine sehr mangelhafte Professionalität!

Was machen all die Menschen, die dazu nicht in der Lage sind…  sich mitzuteilen, Wünsche zu äußern und ihre Belastungsgrenzen zu wahren?

Personalrotation

Es gibt sicherlich “gute” Gründe, die eine Personalrotation befürworten. Doch es gibt genauso viele Gründe, in bestimmten Situationen dies zu unterlassen.

Status Quo: Auf Grund von Personalengpässen im ärztlichen Bereich – wegen Urlaub und Krankheit – blieben Einzelgespräche und Gruppentherapien auf der Strecke. Der ursprüngliche Arzt ging nach einer Woche in den Urlaub, die Vertretung “arbeitete” mit mir 2 Wochen und nun final nach der Rotation bin ich abermals bei einem neuen Arzt gelandet.

Abgesehn davon, dass die Einzelgespräche sich auf Sitationsbedingte provozierte und vollkommen überflüssige Konflikte konzentrierten, sind die Kernthemen, weshalb ich ursprünglich in die Klinik kam nicht mal Ansatzweise besprochen worden. Weder eine Vorbereitung auf die sogenannte “Belastungserprobung”, noch ein ausbaufähiges Konzept für eine individuele Nachsorge – basierend auf den persönlichen Bedürfnissen wurden in irgendeiner weise angedeutet.

Aus Personalmangel übernehmen die Ärzte auch die therapeutische Arbeit. Im Grunde ist das alles ganz und gar nicht dramatisch, wenn die Vorgaben und die Versprechen bei Aufnahme in die Klinik nicht derart übertrieben bzw. vollmundig wären, das man mit falschen Erwartungen dann die Zeit in der Klinik quasi absitzt.

Gerade durch diese geschührte Erwartung kommt man bei Nachfragen – zum Beispiel um ein versprochenen Einzelgesprächstermin wahrzunehmen – schnell in den Rolle sich als “unverschämt” zu empfinden. Auf das bereits geminderte Selbstwertgefühl wirkt sich das dann nicht wirklich förderlich aus.

Bei der Klinik handelt es sich um eine Krankenhaus mit Schwerpunkt Psychiatrie, welche für ein bestimmtes Einzugsgebiet die Notaufnahmen versorgt.

Vielleicht gab es früher einmal den in den Hochglanzbroschüren aufgezeigten und beworbenen therapeutischen Ansatz, vielleicht wurde das sogar einmal richtig ernst genommen. Heute ist davon jedoch kaum noch etwas zu sehen.

Es wäre mehr als fair, wenn diese Klinik bei der Aufnahme Klartext reden würde, dass sie den Betroffenen lediglich wieder auf die Beine stellt, möglicherweise eine Medikamentenanpassung vornimmt und eben nicht halbherzig mit therapeutischen Programmen auffährt, die weder zeitlich noch personell annähernd realisiert werden können.

Traumaarbeit in Eigenregie

Mein Vater!
Als Mensch wird man mir niemals soviel Schaden zufügen können, das ich nicht mehr in der Lage wäre, zu vergeben. Dir sei vergeben!
Als Sohn jedoch, trage ich die von Dir an meinem Körper, an meiner Seele und an meinem Geist zugefügten Narben ein Leben lang herum. Der Schmerz, ist immer noch zu spüren. Mein flehen und betteln wurde von Dir nicht wahrgenommen, mehr noch: es machte Dich noch wütender.
Als Sohn werde ich Dir das nicht verzeihen. Es ruinierte langfristig den Weg, den ich gehen wollte, es schränkte mich ein und reduzierte mich jahrzehntelang auf diesen Schmerz.

Eine Therapeutin sagte zu mir, als ich freudestrahlend berichtete, ich hätte Vergebungsarbeit geleistet, “Warum muss man denn vergeben? Sie haben ein Recht auf Ihre Wut!” – Das machte mich nachdenklich.

Nachdem ich aus meiner Gebetsmühle wieder heraus kam, blieb ich dabei, das meine Vergebungsarbeit ein wichtiger Schritt war, um Backsteine aus meinem Rucksack zu entfernen.

Diese Vergebungsarbeit war nicht etwa ein Schalter umlegen und alles ist wieder gut. Nein, im Gegenteil.

Diese Aufgabe zog sich über ein paar Jahre hin. Ich besuchte in dieser Zeit intensiv Selbsthilfegruppen, die im Kern nicht mit dem Finger auf die Umwelt zeigen, sondern Aufräumarbeit im eigenen Inneren für vorrangig betrachteten. Es beinhaltete auch, das ich für die Biographie meines Vaters Interesse zeigte. Ich wollte wissen, was diesen Mann dazu brachte, mich so zu behandeln. Ich wollte ein Verständnis erlangen, wieso er die Entscheidungen getroffen hatte, die er traf. Ich gab die Hoffnung nicht auf, in diesem sich mir gegenüber gezeigten gnadenlosen Tyrannen etwas menschliches zu finden. Zwischendurch gab es reichlich Momente, in denen mich der alte Schmerz heimsuchte und mich zur Verzweiflung brachte.

Vor diesem Schritt habe ich meinen Vater gehasst. Ich brauchte nur an ihn zu denken und war schlecht gelaunt. Gespräche mit ihm dauerten niemals länger als 2 Minuten und endeten in fürchterlichen Streitereien oder Wutausbrüchen. Wir haben uns gegenseitig nie zum Geburtstag gratuliert, traditionelle Treffen wie Weihnachten haben wir boykottiert, wenn wir wussten das einer von uns dort wäre. Dieser Hass übertrug sich sogar auf meinen Bruder, der mich immer schlichtend mitschleppen wollte.

Letztlich stolperte ich irgendwann über eine Geschichte die davon handelte, dass es eine Entscheidung sei, Dinge herum zu tragen. Ebenso ist es eine Entscheidung, Dinge loszulassen.
Die innere Auseinandersetzung, mich selber dazu zu entscheiden, dass ich vergeben werde um loszulassen und vor allem um Meinetwillen war ein langwieriger Prozess. Am Ende hat mich diese Entscheidung befreit. Zumindest ist auch der Hass weg!

Das tiefe Loch, einem Krater ohne Boden gleich ist leider noch da. Dort wo Urvertrauen sein sollte ist nur Ungewissheit, Unsicherheit und immer wieder auch Selbstzweifel. Dieses Urvertrauen, das man sein darf ohne etwas darzustellen, geliebt wird nur weil man da ist… ich habe keine Ahnung, wie sich das anfühlt.

Seit dem bin ich jedoch sensibler dafür geworden, ob und wann ich versuche, dieses “Schwarze Loch” mit Dingen füllen zu wollen. Dinge wie Menschen, Arbeit, Status oder Substanzen. Denn es bleibt eine Tatsache, dass in einem Leben in Mangel genau dieses Schwarze Loch immer größer wird, je mehr man dort hineinwirft.

Intuitivdiagnosen

Intuitivdiagnosen sind üblicherweise im Allgemeinen der erste Ansatz, um mit einem Patienten zu arbeiten. Sei es im Abfragen der Beschwerden oder in der Deutung der Verhaltensweisen zum Beispiel in der Psychiatrie.

Jedoch ist es unabdingbar, diese intuitiven Eindrücke mit Belegen zu festigen, die aus der Fallstudie über die Biographie der Patienten, deren momentane Lebensumstände und eben auch der bereits erarbeiteten Therapieerfolge gegenüberstehen. Erfolgt dies nicht oder nur oberflächlich besteht die Gefahr, den Patienten lösungsverliebt in eine Schublade zu stecken und nach “Schema F” zu behandeln.

Gerade in der Psychiatrie ergeben sich daraus groteske Verfahrensweisen, die zu extrem kontroversen Konflikten führen, die Seitens eines routinierten Therapeuten jegliche Reaktion als Abwehrverhalten und damit als Bestätigung seiner Intuition der Diagnose führen können. Das dies dann sogar zu Retraumatisierungen führen kann ist zwar bewusst, jedoch wird dies durch die möglicherweise dem fehlgeleiteten Therapeuten vorliegenden “Erfolgserlebnisse” geblendet.

Es ist einfach zu behaupten, ein Patient sei nicht therapierbar. Aus diesem Grunde gibt es Supervisionen, welchen normalerweise auch spezielle externe Fachkräfte beiwohnen, um eben genau diesen Umstand zu erörtern. Denn Ziel sollte es sein, mit dem Patienten gerade in der Psychotherapie ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, in dem sich der Betroffene vor allem sicher fühlt! “Sicher” im Sinne davon, das der Therapeut dieses Vertrauen nicht missbraucht und ihn erneut seelisch verletzt.

Sollten dramaturgisch grenzwertige Erlebnisse provoziert werden, welche im Rahmen der Psychotherapie notwendig sein sollten, wäre es eigentlich eine Voraussetzung den Patienten darüber in Kenntnis zu setzen. Sei es im Vorfeld, dass es zu solchen Szenen kommen wird oder spätestens im Nachhinein, wenn der Patient sich klar und deutlich dagegen wehrt oder gar mit der Auflösung des Beziehungsverhältnisses droht.

Es ist natürlich schwer, einem erwachsenen Menschen möglicherweise in eine solche Szenerie zu locken, wenn dieser durch seine mitgebrachten Traumata dysfunktional über eine erhöhte Skepsis verfügt. Doch ist es eben deswegen ausgesprochen wichtig, die Reaktionen immer wieder zu untersuchen und mit der ursprünglichen intuitiven Diagnose und den vorhandenen Daten abzugleichen.